Bunker in Vigsø, Dänemark (Foto: Annet van der Voort)

Abendvortrag von Dr. Volker Jakob: THE WALL – Der Atlantikwall Eine deutsche Monstrosität in Europa

Der Atlantikwall ist ein monströses Unikum. Betrachtet man die Summe der im Wesentlichen zwischen 1942 und 1944 auf einer Länge von rund 6.000 Kilometern entlang der westeuropäischen Küstenlinie von Spanien bis Nordnorwegen erbauten großen und kleinen Bunkerkomplexe – wohl 100.000 Einzelobjekte – als eine architektonische Einheit, dann handelt es sich hierbei um das vermutlich größte […]

Der Atlantikwall ist ein monströses Unikum. Betrachtet man die Summe der im Wesentlichen zwischen 1942 und 1944 auf einer Länge von rund 6.000 Kilometern entlang der westeuropäischen Küstenlinie von Spanien bis Nordnorwegen erbauten großen und kleinen Bunkerkomplexe – wohl 100.000 Einzelobjekte – als eine architektonische Einheit, dann handelt es sich hierbei um das vermutlich größte Bauvorhaben der Geschichte. Nur vergleichbar mit der chinesischen Mauer, dem römischen Limes oder dem britischen Hadrian-Wall. Mit allen seinen Vorgängern teilt dieser Verteidigungswall das Schicksal des Größenwahns – und der Vergeblichkeit.

Dabei stellt das, was die Wehrmachtsgattungen Heer, Luftwaffe und Marine da mit Hilfe der „Organisation Todt“, eines staatlichen Ingenieurbüros, in kaum mehr als zwei Jahren errichteten – ungeachtet einer moralischen Bewertung – für sich genommen eine logistische Hochleistung dar. In dieser kurzen Zeit wurden über 17,3 Millionen Tonnen Beton und 1,2 Millionen Tonnen Stahl in rund 12.000 schweren Bunkeranlagen und Geschützständen an den entlegensten Küstenabschnitten verbaut. Mit Hilfe eines Millionenheers von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen wurde dieses Bunkersystem zur Abschreckung aus dem Boden gestampft. Die deutsche Staats- und Militärführung wollte um jeden Preis eine zweite Front im Westen vermeiden. Dass das alles vergeblich war, zeigt sich am 6. Juni 1944, als eine gigantische alliierte Armada an einem vergleichsweise schwach befestigten Abschnitt in der Normandie landete. Seither lief der „Countdown“. Deutschland wurde nun endgültig selbst zum Kriegsschauplatz. Am 30. April erschoss sich Hitler in seiner Reichskanzlei in Berlin. Nur Tage später kam die Kapitulation: „Unconditional surrender“.

Der Krieg selbst war bald vergessen. Was blieb, sind die großen Kriegerfriedhöfe überall in Europa, die an die Gefallenen erinnern, und eben die zahllosen Bunker entlang der westeuropäischen Küste, die sich selbst überlassen oder schlicht vergessen wurden. Aber sie sind da, Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Dieser Vortrag erzählt, korrespondierend mit den Bildern der derzeit im Deutschen Marinemuseum gezeigten Ausstellung THE WALL, die Geschichte dieses Vorhabens und interpretiert das, was von ihm geblieben ist. Es geht also nicht nur um die Geschichte selbst, sondern auch um die ästhetische Vermittlung. Und so gelangt auch die Fotografie – oder, in diesem Fall, die Fotografin – in den Fokus dieses Vortrags. Was will sie uns zeigen und was wollen und sollen ihre Bilder uns sagen?

Aus Anlass des aktuell begangenen Endes des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erscheint eine Beschäftigung mit diesem Thema wichtiger denn je. Eine Bilanz der Erinnerung, aber auch eine Aufforderung zum Innehalten und Nachdenken.

 

Zur Person: Dr. Volker Jakob, 1949 in Rendsburg/Schleswig-Holstein geboren, lebt und arbeitet seit 1976 in Westfalen. Langjähriger Leiter des Bild-, Film- und Tonarchivs des Medienzentrums für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Zahlreiche Publikationen zur Fotografie- und Filmgeschichte, Veröffentlichungen zur Landeskunde Westfalens und Schleswig-Holsteins sowie zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

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